Debatte in den NiederlandenBedroht, beleidigt, bedrängt: Holländische Teenager machen tödliche Jagd auf Pädophile

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Nachdem Jugendliche im niederländischen Arnhem einen mutmaßlichen Pädophilen töteten, ist das Entsetzen groß. Sogenannte “Pädophilenjagden” sind längst kein Einzelfall mehr. Die Polizei ist alarmiert und ruft zum Stopp der Selbstjustiz auf.

Der Tod eines 73-Jährigen hat in den Niederlanden eine Debatte über die eigenmächtige Verfolgung Pädophiler ausgelöst. Wie die “BBC” berichtet, hatte sich der Mann aus Arnhem im Internet mit einem Minderjährigen zum Sex verabredet. Am Treffpunkt angekommen, stellte sich heraus, dass hinter dem Chat-Partner eine Gruppe Jugendlicher steckte.

Diese sollen den Mann verfolgt und verprügelt haben: So schwer, dass er im Krankenhaus an seinen Verletzungen starb. Wie die Polizei berichtet, habe der 73-Jährige zwar gewusst, dass sein Gegenüber im Chat minderjährig sei. Beweise für frühere sexuelle Kontakte mit Minderjährigen gebe es jedoch nicht.

250 solcher Attacken auf mutmaßliche Pädophile

Sieben Teenager, fast alle jünger als 18, wurden nach dem Vorfall verhaftet. Wie der Anwalt eines 15-jährigen Tatverdächtigen der niederländischen Website “De Genderlander” erklärte, sei die Idee zur Pädophilenjagd „in der Langeweile der Corona-Zeit“ entstanden. Sein Klient habe zwar bei der Aktion mitgemacht, sei an den Angriffen auf den 73-Jährigen jedoch nicht beteiligt gewesen.

Berichten zufolge sollen die Jugendlichen von anderen „Pädophilen-Jagden“ in den Niederlanden inspiriert worden sein. Insgesamt soll es bereits 250 solcher Attacken auf mutmaßliche Pädophile gegeben haben, wie der regionale Polizeichef Oscar Dros der Zeitung “Algemeen Dagblad” erklärte.

Unzählige Gruppen mit Namen wie „pedohuntnl“ ließen sich auf Facebook finden, oft hätten sie tausende Mitglieder. Opfer der “Pädophilenjäger” seien von der Straße abgedrängt, angegriffen, bedroht oder öffentlich bloßgestellt worden. Mitglieder der Facebook-Gruppen würden ihre Taten damit begründen, „Kinder zu beschützen“. Dass sich erwachsene Männer in Chats mit Minderjährigen verabreden, sei „einfach nicht richtig“.

Selten tatsächliche Beweise

Dros spricht sich gegenüber dem “Algemeen Dagblad” dafür aus, die Ermittlung und Strafverfolgung Pädophiler den Behörden zu überlassen. „Hört auf Pädophile zu jagen; hört auf sie festzuhalten, hört auf zu provozieren – überlasst das uns“, zitiert das Blatt den Polizeichef. Nicht nur könnten so weitere Todesfälle verhindert, sondern auch Unschuldige geschützt werden. „Die Beweise, die diese Bürger glauben zu haben, sind oft hauchdünn“, fügt er hinzu.

Oscar Dros selber kenne keinen Fall, bei dem eine derartige Jagd zur tatsächlichen Verhaftung eines Pädophilen geführt habe.

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